Aug
11
2012
Geschrieben von Roland Kelber

Am Wochenende 20.-22.Juli war Pfarrer Patras Marandi aus Nepal in

unserer Pfarrei zu Gast. Er war Teilnehmer an der dreiwöchigen

„summer-school“ im Centrum MissionEineWelt Neuendettelsau.

Als Pfarrer Marandi fünf Jahre alt war, kam sein Vater, der zuvor

hinduistischer Dorfschamane war zum christlichen Glauben.

Unter großem persönlichen Einsatz schaffte er es sein großes Ziel,

Theologie zu studieren zu verwirklichen, obwohl er aus ärmsten

Verhältnissen stammt.

Pfarrer Marandi ist nicht nur Ortspfarrer, sondern gleichzeitig

Generalsekretär der Nepalesischen Lutherischen Kirche, die in den

1940er Jahren in der indisch-nepalesischen Grenzprovinz Morang

ganz im Südosten in der Tiefebene durch indische Missionare

gegründet wurde. Bis heute beschränkt sich diese Kirche mit ihren

insgesamt etwa 1000 Mitgliedern in 12 Ortsgemeinden auf diese

Region. Sie sind überwiegend Angehörige eines Volksstamms, der

einer der niedrigsten hinduistischen Kasten zugeordnet ist.

In kleinen Siedlungen aus Lehmhütten zwischen den Reisfeldern

arbeiten die Menschen dort als landbesitzlose Tagelöhner auf den

Reisfeldern in harter Handarbeit für geringsten Lohn.

Viele Menschen haben dort in den letzten Jahren das Evangelium

als Befreiung von der Angst vor bösen Geistern erlebt und sich selbst

als einmalige und wertvolle Geschöpfe Gottes neu sehen dürfen.

Die lutherische Kirche, die seit drei Jahren auch dem Lutherischen

Weltbund angehört, leistet auch viel in Bezug auf soziale Beratung

und Hilfe. Allerdings sind die eigenen Mittel sehr beschränkt, was

auch daran sichtbar wird, dass alle Pfarrer und Mitarbeiter ohne

Bezahlung ihren Dienst tun.  Im Fall von Pfarrer Marandi versorgt

seine Ehefrau  die Familie mit ihrem Lehrerinnengehalt.

Pfarrer Marandi traf sich am Freitag abend mit den

Gemeindemissionsbeauftragen des Dekanats und Dekansehepaar

Kuhn zuhause bei Erhard Reulein. Am Samstag besuchte er

unter anderem den Kinderbibeltag in Hüssingen und den Triathlon

am Hahnenkammsee sowie das Jugendbibellesen in Hechlingen.

Am Sonntag predigte er als erster nepalesischer Pfarrer in einem

Gottesdienst der bayerischen lutherischen Kirche. Zunächst in

Hechlingen, dann in Kurzenaltheim. Übersetzt wurde seine englische

Predigt von Bianca Rosenbauer. Herzlichen Dank !

Für Pfarrer Kelber war es eine besondere Freude, seinen Amtsbruder

aus Nepal in Hechlingen begrüßen zu dürfen, weil er selber nur drei

Wochen zuvor Pfr. Marandi in dessen Heimat im Rahmen einer

Delegation der bayerischen Landeskirche besuchen durfte.

Von dieser Delegationsreise, auf der er auch den letztjährigen Gast,

Pfr. Lhatru in Bhutan wiedersehen konnte, wird er nach der

Sommerpause noch einen ausführlichen Bericht mit Bildern in einer

Gemeinde- bzw. im Dekanatsveranstaltung geben.